Döblinger Plauscherl: Dieter Elsneg im Interview
Döblinger Plauscherl: Dieter Elsneg im Interview
Vor dem Saisonfinale trifft First Vienna News Sportdirektor Dieter ,Didi' Elsneg zum Gespräch. Gemeinsam wird sich das Abschlusstraining vor dem Auswärtsspiel in Amstetten angeschaut. Gerade lässt Kelechi Nnamdi zwei Gegenspieler aussteigen, als wir mit dem Interview beginnen. Bereits beim 1894-Clubabend vor knapp einem Monat im Stüberl haben wir uns auf das Du-Wort geeinigt.
Didi, du warst ja auch ein recht erfolgreicher Profifußballer. Was sind die wichtigsten Skills die du aus deiner Spielerkarriere für den Posten als Sportdirektor mitnehmen konntest?
Disziplin. Aber auch die Professionalität, sich mit Themen im Detail auseinanderzusetzen, als Spieler etwa mit mannschaftstaktischen Vorgaben und auch als Sportdirektor muss man viele verschiedene Themen bearbeiten. Über die Parallelen könnte ich noch viel reden, der größte Unterschied ist, dass man als Fußballer vollen Fokus auf seine eigene Leistung legt, während als Sportdirektor der Gedanke an sich selbst erst ganz am Ende kommt und man immer das große Ganze im Blick hat.
Wann hast du den Reiz des Sportdirektors für dich entdeckt?
Das Interesse für diese Rolle war bei mir immer da, weil ich Interesse an der Kombination von Wirtschaftlichem und Sportlichem hatte. Diese Rolle bringt sehr viel Komplexität mit, was mich grundsätzlich schon immer gereizt hat.
Du warst lange beim GAK, die meisten Spiele hast du aber für Kapfenberg und Ried bestritten. Was ist eigentlich dein Herzensverein?
(überlegt) Herzensverein ist immer ein großes Wort. Ich glaube, es geht darum, ob man sich mit den Werten des Vereins identifizieren kann und ob man sich auf die jeweiligen Gegebenheiten einlassen kann. Ich habe mich eigentlich überall wohl gefühlt. In Ried ist mein größerer Sohn geboren, in Kapfenberg habe ich meine ersten richtigen Bundesligaspiele gespielt, in Italien konnte ich persönlich sehr viel lernen - ich konnte eigentlich von allen Stationen sehr viel Positives mitnehmen. Aber natürlich lässt es sich nicht leugnen, dass die Verbundenheit zum GAK sehr groß und intensiv ist. Auch bei der Vienna verspüre ich aktuell tolle Werte und bin überzeugt, dass der Verein unglaubliches Potenzial hat.
Apropros Vienna: Wie kam eigentlich der Erstkontakt zustande?
Der Kontakt wurde vom Verein bereits Anfang Dezember aufgenommen. Das Interesse meinerseits war relativ schnell da. Während dem vertiefenden Hearing-Prozess konnte man bereits gegenseitiges Vertrauen entwickeln, was für eine gute Zusammenarbeit wichtig ist.
Wie waren deine ersten Eindrücke vom Umfeld und von der Mannschaft?
Das Umfeld ist extrem familiär. Wenn man tagtäglich auf der Hohen Warte ein- und ausgeht bringt es aufgrund der Werte, die der Verein vertritt, der Geschichte und den Ambitionen automatisch eine unglaubliche Energie mit. Natürlich bekommt man auch mit, dass man mit der jetzigen Situation nicht zufrieden ist.
Die Mannschaft macht im Vergleich zum Herbst einen verbesserten Eindruck. Hervorzuheben sind unsere jungen Jungs: Egal ob jetzt Felix Nagele, Santino Pistrol, Vincent Zeidler oder Moritz Jerabek - das sehe ich als Qualitätsmerkmal des Vereins.
Wie schaut dein aktuelles Tagesgeschäft aus?
Das ist breit gestreut. Einerseits geht es darum, die ersten internen Prozesse zu implementieren. Natürlich spielt auch die Kaderplanung eine zentrale Rolle. Andererseits geht es auch um budgetäre Themen, wie die Gehaltsstruktur. Weiters geht es um die Durchgängigkeit und die Förderung unserer Top-Talente und auch die Werte, die wir vertreten wollen. Im Sommer wollen wir daran arbeiten, dass wir über die gesamte kommende Saison als hungrige und willige Truppe auftreten. Ein weiteres Thema ist auch die Infrastruktur, die wir schrittweise verbesseren wollen.
Zur Kaderplanung gehört natürlich auch Scouting dazu. Datenscouting, Videoscouting, Livescouting. Ich selbst war zuletzt auch viel im In- und Ausland unterwegs.
Jetzt im Sommer laufen sechs Verträge aus, darunter mit Unger und Ungar zwei von Stammspielern.
Ich habe bereits mit allen Betroffenen gesprochen, um frühzeitig Klarheit zu schaffen. Mir ist es wichtig, einen offenen Dialog zu führen. Was die beiden Genannten betrifft, stimmt es, dass die Jungs bewiesen haben, in der 2. Liga gute Leistungen bringen zu können. Daher sind sie für uns automatisch interessant, dass sie verlängert werden. Allerdings muss man auch andere Faktoren, wie Wirtschaftlichkeit oder sportliche Verfügbarkeit betrachten. Dementsprechend bin ich froh, dass David Ungar wieder im vollwertigen Mannschaftstraining ist. Da muss man jetzt die letzten Spiele beobachten.
Weil du die Wirtschaftlichkeit angesprochen hast: Führst du auch Gespräche mit Spielern, die einen längerfristigen Vertrag haben, jedoch bei uns keine wichtige Rolle mehr spielen würden?
Ja. Um für mich persönlich die hundertprozentige Überzeugung zu bekommen, mit wem wir weiter den Weg gehen wollen, habe ich auch dahingehend schon viele Gespräche geführt. Wir werden immer Verträge respektieren, aber es geht darum, dass die Rolle früh kommuniziert wird.
Könnte das auch mehr als einen einzelnen Spieler betreffen?
Ja.
Ein großes Fragezeichen steht auch hinter der Zukunft von Hans Kleer.
Hans weiß Bescheid, bis wann wir eine Entscheidung treffen wollen. Das wird gegen Saisonende sein, da wir diese Entscheidung sehr fundiert und voll überzeugt treffen wollen. Ich habe einen sehr, sehr guten Austausch mit ihm und schätze Hans Kleer auch sehr. Er ist im Bilde, wie sich die Situation darstellt.
Das heißt Hans Kleer hat keinen Vertrag über die Saison hinaus?
Über vertragliche Details möchte ich keine Auskunft geben.
Du hast vorher bereits die Jungen angesprochen. Nagele und Pistrol haben sich in den letzten Wochen in die erste Elf gespielt. Auch Zeidler sammelt einige Minuten, Jerabek erzielte sogar schon ein Tor. Kannst du dir diese Jungs als Stammspieler 26/27 vorstellen?
Absolut.
Auch wenn es in der aktuellen Konstellation um nicht mehr viel geht, zeigen vor allem Nagele und Pistrol Woche für Woche, dass sie nicht nur mithalten, sondern auch selbst Akzente setzen können.
Wie schaut die Zukunft von Christoph Monschein aus, plant man mit ihm über den Sommer hinaus?
Wir wissen um seine Qualität. Nach seiner langen Verletzung geht es für ihn darum, möglichst viele Minuten zu sammeln. Dann bin ich davon überzeugt, dass er in einem topfitten Zustand ein Unterschiedsspieler sein kann.
Das heißt wir brauchen uns nicht fürchten, ihn im Sommer zu verlieren? Über seine Vertragslaufzeit gibt es widersprüchliche Medienberichte.
Zum akuellen Zeitpunkt sehe ich das nicht. Er hat noch Vertrag.
Kannst du dir vorstellen, noch jemanden aus der GAK-Meistermannschaft zu holen? Mit Rosenberger, Rusek und Gantschnig hat dein Vorgänger ja schon drei Stammspieler von damals geholt.
(überlegt) Vorstellen kann man sich vieles. Ich kenne diese Spieler in- und auswendig. Dass ich mit jemandem den Aufstieg geschafft habe, hat für mich aber keinen Vorteil. Es geht viel mehr darum, welche Positionsprofile wir suchen und was die Mannschaft braucht. Da spielt eine GAK-Vergangenheit keine Rolle.
In den letzten Wochen gab es Gerüchte rund um Robin Josefik, der in der sechsten Liga beim FC Tulln spielt. Sind auch diese unteren Ligen für euch interessant?
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