Die neue Kader-Strategie

Die neue Kader-Strategie

Nach der enttäuschenden Herbstsaison versucht man bei der Vienna jetzt mit einer ganz anderen Kaderpolitik den sportlichen Erfolg herbeizuführen. Nach dem Rauswurf von Andreas Ivanschitz hat Präsident Kurt Svoboda nun Cheftrainer Hans Kleer, der in enger Abstimmung mit Vizepräsident Roland Schmid handelt, die Kaderplanungsaufgaben übergeben. Dies erzählte er in einem Interview mit der Kronen Zeitung.

Ivanschitz‘ Fehler

Andreas Ivanschitz hatte im Sommer die Aufgabe, einen Meisterkader für die 2. Liga zusammenzustellen. Dies gelang ihm und seinem Team trotz sicherlich großer Bemühungen recht eindeutig nicht. Zwar wurden viele Spieler geholt, die bereits große Erfolge erzielen konnten und am Papier großteils auch immer noch mehr als konkurrenzfähig wirkten, doch die sportlichen Erfolgserlebnisse blieben, auch trotz Trainerwechsel, aus.

Denn bereits in der Sommervorbereitung wurde ersichtlich, dass bei der Vienna noch kein funktionierendes Teamgefüge entstanden ist. Zudem ähnelten sich viele Spielertypen, die auf der gleichen Position ähnliche Schwächen und ähnliche Stärken mitbrachten (z.B. Szerencsi und Okungbowa in der Innenverteidigung). So wurde kaum als Einheit agiert, und die Mannschaft wurde von Fans oft als leidenschaftslose Truppe kritisiert. Immer wieder war zu beobachten, wie sich bei Einwürfen nur zögerlich Anspieloptionen anboten oder Offensivaktionen nur halbherzig zu Ende gespielt wurden.

Die neue Strategie

Diese schwachen Leistungen wurden von der Vereinsführung auf die schlechte Kaderpolitik von Andreas Ivanschitz zurückgeführt, daher ist es nur konsequent, einen personellen Umbruch herbeizuführen. Mehrere Vertragsauflösungen wurden bereits offiziell verkündet, und gerade abgangsmäßig könnte sich im Winter am Transfermarkt auch noch etwas tun.

Die Neuzugänge Prohart und Gantschnig waren in Kapfenberg bzw. Klagenfurt absolute Leistungsträger, Führungsspieler und sehr konstant. Genau diese Profile fehlten der Vienna im Herbst, um eine konstante Achse zu bilden. Weiters zeigte sich Hans Kleer von Odagaki (kam von Traiskirchen) überzeugt.


Die 3-Sorten-Theorie

Mit Gantschnig und Prohart, sowie Luxbacher, Giuliani und Zimmermann hat die Vienna nun theoretisch eine Achse an Spielern, die solide, und vor allem konstante Leistungen bringen. Diese Achse wird ergänzt von weiteren Stammspielern wie Rosenberger oder Seo, die durch ihre individuelle Klasse einzelne Spiele entscheiden können. Mit Monschein und Rusek kommen zwei Langzeitverletzte endlich retour. Aus dem eigenen Nachwuchs kommen ebenfalls ernsthafte Alternativen: Felix Nagele konnte bereits bei seinem Debüt in Bregenz überzeugen. Kleer sprach im Interview danach davon, dass einer von den Jungen der beste am Platz gewesen sei. Damit muss Nagele gemeint gewesen sein, denn Santino Pistrol blieb bei seinem Debüt in Bregenz noch unter seinen Möglichkeiten. Dennoch durfte Pistrol zwei Wochen darauf in Salzburg starten und konnte diesmal umso mehr überzeugen. Vincent Zeidler erzielte in der Wintervorbereitung bereits zwei Tore und ein Assist und kann ebenfalls zur ernsthaften Option für das Trainerteam werden.

Durch die bisherigen Vertragsauflösungen scheint auch versucht zu werden die negative Energie aus der Kabine zu bekommen, um in der Rückrunde nur noch drei verschiedene ,,Spielersorten‘‘ in der Kabine zu haben, die alle positiv in die Vergangenheit und in die Zukunft blicken können:

1. Spieler, die eine solide bis gute Herbstsaison gespielt haben.

2. Neuzugänge sowie Verletzungsrückkehrer, die motiviert an ihre neue Aufgabe herangehen.

3. Junge Spieler, die sich Tag für Tag steigern und ihre ersten Profierfahrungen sammeln.

Hans Kleer unter Zugzwang

Doch auch diese Strategie muss erst durch Ergebnisse bestätigt werden, um sie als ,,schlau‘‘ oder ,,gut‘‘ zu deklarieren. Hans Kleer hat im Herbst einen desaströsen Punkteschnitt von 1,1 erzielt. Dies ist nachvollziehbar, da Kleer den Kader nicht zusammengestellt hat und keine ordentliche Vorbereitung mit der Mannschaft hatte. Dennoch war auch am Platz nur sehr spärlich eine echte Weiterentwicklung von Spiel zu Spiel zu erkennen. Somit muss auch Kleer liefern, um sich für ein Engagement über den Sommer hinaus zu empfehlen. Schließlich ist der Trainer im Fußballbusiness immer der erste Verantwortliche für die Leistungen seiner Spieler.

Proposition und Fazit

In der Rückrunde kann man nun ohnehin bereits getrost für die nächste Saison experimentieren, um ein solides Fundament zu finden und Spielern aus dem eigenen Nachwuchs Chancen zu ermöglichen. Ein Spieltagskader könnte etwa wie folgt aussehen:

Giuliani

Rosenberger Pistrol Gantschnig Bauer

Prohart Nagele

Seo Luxbacher Odagaki

Zimmermann

Bank: Unger, Okungbowa, Nnamdi, Stratznig, Rusek, Monschein, Zeidler

(aktuell verletzt und daher nicht berücksichtigt: Alozie, Ungar, Szerencsi, Edelhofer; auch Monschein und Rusek sind wohl noch in die Kategorie ,,rekonvaleszent‘‘ einzuordnen, da beide noch keine Minute in den Testspielen absolvierten. Szerencsi und Edelhofer konnten in Belek wieder ins Training einsteigen, Monschein und Rusek hatten auch in Wien bereits mittrainiert.)

Die Frühjahrssaison wird zeigen, ob die neue Strategie Erfolg hat oder nicht und zumindest zu etwas besseren Ergebnissen oder mehr Leidenschaft am Platz führt. Aktuell wirkt die Kader- und Transferpolitik allerdings zielorientiert und durchdacht und könnte eine bessere Rückrunde zur Folge haben.

First Vienna News


Bilder: First Vienna FC 1894

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